Mythologie der Wikinger
Die Wikinger kommen!
A fvrore normannorvm libera nos domine - Herr, befreie uns vor der Raserei der Nordmänner ist ein englisches Stossgebet aus dem 9. Jahrhundert, welches die Furcht vor den Männern auf den schnellen Schiffen beschreibt.
Vom 8. bis ins 11. Jahrhundert hielten die Wikinger die Welt in Atem. Auf der Suche nach Land, Sklaven, Gold und Silber verließen sie als Krieger und Entdecker ihre Heimat. Von Norwegen, Schweden und Dänemark aus fielen sie über ganz Europa her. Wie aus dem Nichts tauchten ihre Drachenschiffe auf und ebenso schnell verschwanden sie wieder. Christliche Mönche beschrieben angsterfüllt die grausamen Übergriffe der Wikinger auf reiche Klöster und Städte. Im Jahr 793 überfallen die Wikinger das Kloster Lindisfarne an der Küste Northumbriens. Das Kloster, welches 635 gegründet wurde, bot den Nordmännern reiche Beute. Sie erschlugen die, die sich ihnen in den Weg stellten, sie plünderten die reichen Schätze des Klosters und entweihten die Reliquien. Die christlichen Geschichtsschreiber wissen den Vorfall brutal zu beschreiben. Vielleicht brutaler als die Wirklichkeit.
Denn die Wikinger waren mehr als nur wilde Barbaren aus dem Norden. Sie waren kluge Händler, geschickte Seefahrer, ausgezeichnete Handwerker und Schiffsbauer. Sie handelten Waren bis nach Bagdad und kamen auf ihrer Landsuche bis hin nach Amerika. Der große Vorteil der Nordleute waren ihre wendigen Schiffe. Sie waren schnell und leicht und sie hatten wenig Tiefgang, wodurch sie auch in flachen Gewässern manövrieren konnten. Daher konnten sie mit ihren Schiffen direkt bis an alle Strände fahren, von den Boten springen und direkt angreifen.
Diese Schnelligkeit, der Überraschungsmoment war die Stärke der Wikinger - und sie wußten sie auszunutzen. Erschwerend kam hinzu, daß die Mitteleuropäer schlicht keine Ahnung vom Schiffsbau hatten und somit auf den Meeren keine Gefahr darstellten und auch ihre Flüsse nicht zu verteidigen wußten. So muß den Wikingern der Rhein wie eine Goldader vorgekommen sein, der mitten in das Herz Europas führte. Und so fuhren die Nordmänner bis nach Mainz und Koblenz, bereisten sogar die Mosel, um bis nach Trier (882) vorzudringen. Im Osten kamen sie über die Wolga bis zum kaspischen Meer und über den Dnjepr bis nach Byzanz.
Diese Routen wurden natürlich auch von den Händlern der Nordleute genutzt. Verschiedene Handelsplätze geben Auskunft über die Handelsfahrten der Wikinger. So finden sich Glaswaren aus Westeuropa und Mühlsteine aus der Eifel neben slawischer Keramik und byzantinischen Münzen. Das Münzwesen übernahmen sie allerdings erst recht spät, zunächst basierten ihre Tätigkeiten auf reinem Tauschhandel. Dieser wandelte sich dann in den Handel mit sogenanntem Hacksilber. Dabei wurde ausschließlich das Gewicht von Silber zur Grundlage des Wertes genommen, deshalb wurden wertvolle Kunstgegenstände einfach zerstört, zerhackt, wenn noch ein Stück am Gewicht fehlte. Der Handelstätigkeit der Wikinger verdanken wir einen großartigen Bericht über ihre Lebensweise. Der arabische Handelsreisende Ibn Fadlan begegnete den Rus, schwedischen Wikingern, im Wolgagebiet und hielt seine Eindrücke fest.
Der größte Teil der skandinavischen Bevölkerung bestand jedoch aus einfachen Bauern, die das karge Land bestellten und Viehzucht betrieben. Sie lebten in Langhäusern - Häusern die aus einem langem Raum bestanden und in der Mitte eine Feuerstelle besaßen. Darüber war das Dach offen, damit der Rauch abziehen konnte.
Allen Bevölkerungsschichten der Wikinger ist jedoch gemein, daß sie strenge Vorstellungen von Stolz und Ehre besitzen, die uns u.a. in der nordischen Schrift Havamal begegnen.