Heidengazette

Heidentum im Wandel des Zeitgeistes


Sumerische Mythologie

Lilith, Marduk, Tiamat und Mama

Die sumerische Schöpfungsmythe ist eine der ältesten Mythen, die bis heute überliefert sind. Die Geschichte der Schöpfung durch eine Urmutter war bereits steinalt, als sie in Sumer aufgeschrieben wurde. Das geschah zu einer Zeit als die Schrift gerade erst erfunden und soweit ausgereift war, daß sie sich zur Niederlegung von Legenden eignete.

Lilith
Lilith

In alten Siedlungen wie Catal Hüyük finden sich viele üppige weibliche Figuren die wahrscheinlich kultischen Zwecken dienten. Figuren dieser Art finden sich jedoch auch in vielen Teilen Europas und sind zum Teil sogar noch um Jahrtausende älter. Sie sind stumme Zeugen dafür, daß der Mythos der Urmutter der älteste Mythos überhaupt und weltweit verbreitet ist. Nach dem sumerischen Mythos entstand alles Leben durch die Urmutter Nammu. Sie ist die Göttermutter, die alle anderen Götter geboren hat.

Auf die Anweisung ihres Sohnes Enki hin nahm sie einen Klumpen Lehm und das Blut eines Gottes und formte über dem Abzu (dem sumerischen Süßwasserozean) die ersten Menschen. Hierbei waren ihr acht weitere Göttinnen behilflich, unter anderem auch Ninmach und Mama. Mama ist eine Göttin, die fast jeder noch heute im Munde führt, obwohl sich kaum ein heutiger Mensch Gedanken um die Herkunft und den Sinn dieses Wortes macht.

In einer sumerischen Überlieferung heißt es:

Kein Schilfhalm war gewachsen. Kein Baum war erschaffen worden. Kein Haus war erbaut worden. Keine Stadt war entstanden. Alles Land war Meer. Da wurde Eridu erschaffen.

Tatsächlich ist die Stadt Eridu einer der ältesten bekannten Siedlungsplätze. Ihre Geschichte reicht nachweisbar bis in das 6. Jahrtausend v.d.Z. zurück, also bis weit vor die Zeit der Sumerer.

In der Enuma Elish Schrift wird über die Schöpfung der Erde in grauer Vorzeit und über Marduks Beteiligung daran berichtet.Tiamat und Apsu waren die ersten Wesen in der Welt. Tiamat galt als das weibliche Salzwasser und Apsu stellte als männlicher Teil den Süßwasserozean unter der Erde dar. Als sie sich vermischten entstanden aus ihnen die Götter Lachmu und Lachamu. Ein weiterer Sohn von Tiamat ist Kingu, der Dämonenfürst, mit welchem sie später eine Reihe weiterer schrecklicher Dämonen zeugte, die alle Kingu unterstanden. Aus Lachmu und Lachamu gingen weitere Götter hervor. Schließlich beschloß Apsu, die jüngeren aufsässigen Götter zu töten aber Ea erfuhr davon und tötete ihn zuerst.

Danach nahm Kingu den Platz seines Vaters als der Gemahl von Tiamat ein und Tiamat gab ihm die Schicksalstafeln, damit er die Herrschaft über die jungen Götter übernehmen konnte. Diese waren aber nicht einverstanden damit und so trat der damals noch wenig bedeutende Gott Marduk gegen ihn zum Kampf an. Er siegte, erhielt die Schicksalstafeln und stieg so zum Herrn der Götter auf, denn wer diese Tafeln besitzt, der vereint die größte göttliche Macht auf sich.

Um die Gefahr für die Götter endgültig zu beseitigen kämpfte Marduk mit Zauberei auch gegen Tiamat. Dazu erhielt er fünfzig Fähigkeiten, die er als Waffen gegen sie einsetzen konnte. Er tötete sie schließlich und spaltete ihren Leib. Aus den beiden Hälften bildete er das Himmelsgewölbe und die Erde.

Marduk ist der Sohn der Götter Ea und Damkina und der Gatte von Sarpanitum. Sein Sohn ist Nabu.

Marduk war aber auch der Stadtgott von Babylon. Als Babylon später mehr und mehr an Bedeutung gewann, stieg er zum Reichsgott Babyloniens auf und wurde überall verehrt. Sein Heiligtum war der Tempel Esagila. Es war gekrönt von einem gewaltigen Stufenturm den man Etememanki nannte.

In den Kulturen Mesopotamiens gab es ein ausgeprägtes Verständnis für Rituale, Geister, Zauberei und alle Belange der spirituellen Welt. Beschwörungen und Anrufungen gehörten zum täglichen Leben und waren tief im Volk verankert.